Krampfanfälle stellen ein wichtiges medizinisches Merkmal des Dup15q Syndroms dar. Über 50% der Idic 15-Patienten und ca. 10-20% der Int Dup 15-Patienten haben Epilepsie. Sie können in jedem Alter einsetzen, beginnen jedoch häufig in Zeiten des Wachstums und der Veränderung, wie z. B. im Säuglingsalter und in der Pubertät. Es gibt viele verschiedene Arten von Anfällen bei Dup15q Syndrom, betroffene Personen können mit einem Anfallstyp beginnen, wobei andere Typen mit zunehmendem Alter auftreten.

Die Prävalenz von infantilen Spasmen (=BNS Anfälle) war in einer befragten Gruppe von Familien ungewöhnlich hoch (ca. 20-25%) und legt nahe, dass Idic 15 einen signifikanten Prozentsatz der Säuglinge ausmachen könnte, bei denen diese Episoden auftreten. In der wissenschaftlichen Literatur wurde über infantile Spasmen berichtet, die mit einem hypsarrhythmischen (unorganisierten) EEG verbunden sind. Oftmals besteht die gleichzeitige Diagnose eines West Syndroms.

Ein typisches Lennox-Gastaut-Syndrom (LGS) oder ein Lennox-Gastaut-ähnliches Syndrom wurde bei den vier Patienten mit der Idic 15-Variante beobachtet, die von Battaglia et al. berichtet wurden. Diese hatten tonische / atonische (Nickanfälle oder Sturzanfälle), tonisch-klonische Anfälle und atypische Absencen mit Beginn zwischen 4 und 8 Jahren. Bei einer Reihe anderer betroffener Personen wurden komplexe partielle und myoklonische Anfälle beobachtet. Die zusätzliche Diagnose LGS erfolgt bei Dup15q Syndrom meistens später als üblich, nämlich mit 7-9 Jahren statt des typischen Beginns mit 2-3 Jahren.

Grundsätzlich ist zwischen der Beschreibung der Epilepsie an sich (= LGS, West Syndrom) und der genetischen Ursache (=Dup15q Syndrom) zu unterscheiden. Das eine schließt das andere nicht aus.

Aktuell gibt es kein spezifisches Medikament, das eine signifikante Verbesserung bei Dup15q Patienten bewirkt wie bspw. in anderen Syndromen. Es muss demnach individuell für jeden Patienten das passende Medikament oder eine Kombination gefunden werden.

Das Ansprechen auf die Behandlung ist variabel. Einige Anfälle können mit dem ersten Medikament leicht kontrolliert werden, andere Anfälle werden für eine Weile kontrolliert und werden dann komplexer, und einige Betroffene leiden an hartnäckigen Anfällen, die nie mit Medikamenten kontrolliert wurden. Es gibt viele Berichte in der wissenschaftlichen Literatur und von Eltern über Anfälle, die trotz angemessener antiepileptischer Behandlung schwer zu kontrollieren sind. Es wurde auch über schwer zu kontrollierende Anfälle berichtet, die mit einem gewissen Grad an Regression verbunden sind. Begleiterkrankungen (gastrointestinale Beschwerden, Schlaf, Kalorienmangel) können eine entscheidende Rolle im Anfallsmanagement spielen.

Benzodiazepine und andere Medikamente, die am GABA-Rezeptor angreifen (bspw. Vigabatrin/Sabril für Spasmen) sollten mit Vorsicht und in enger Absprache mit den behandelnden Ärzten gegeben werden (da die GABA-Rezeptoren-Funktion bei Dup15q Syndrom gestört ist, durch die zusätzlichen Kopien). Clobazam (Frisium) ist ein atypisches Benzodiazepin und wird als Dauermedikation in Kombination mit anderen AEDs (= Anti-Epileptic Drugs) häufig verwendet.

Es gibt Hinweise auf fokale Anomalitäten im MRT (kleine Dysplasien), welche eine multi-fokale Epilepsie auslösen können.